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TheologInnen hinterfragen imperialistische Machtstrukturen Theologie- und Studienprogramm des LWB plant Veroeffentlichung
St. Paul (Minnesota/USA)/Genf, 26. Juli 2007 (LWI) - Eine internationale Gruppe zumeist lutherischer TheologInnen hat sich Ende Juni in einem Seminar im Luther Seminary in St. Paul (Minnesota/USA) mit dem Thema âConfessing and Living Out Faith in the Triune God: Being the Church in the Midst of Empireâ (Den Glauben an den dreieinigen Gott bekennen und leben: Kirche sein inmitten imperialistischer Machtstrukturen) auseinandergesetzt. Das Seminar, an dem 20 TheologiedozentInnen und DoktorandInnen aus Afrika, Asien, Europa, Nord- und Suedamerika teilnahmen, hatte zum Ziel, eine theologische Antwort auf imperialistische Machtstrukturen (âEmpireâ) auszuarbeit en. Die Teilnehmenden diskutierten ueber Beitraege, die sie im Rahmen des Projekts âTheologie im Leben der Kircheâ der Abteilung fuer Theologie und Studien (ATS) des Lutherischen Weltbundes (LWB) zu dem Thema verfasst hatten. Gastgeber des Seminars, das vom 27. bis 30. Juni stattfand, war das Luther Seminary in St. Paul.
Die Teilnehmenden stellten fest, dass es im Lauf der Jahrhunderte zwar verschiedene imperialistische Maechte gegeben habe, heute aber immer staerker das Gefuehl vorherrsche, dass die USA das moderne âEmpire â seien und eine imperialistische Politik betrieben. Aus diesem Grund fand das Seminar im US-amerikanischen Kontext statt. âAussenstehende haben haeufig den Eindruck, dass ein Grossteil der Christen und Christinnen in den USA das Selbstverstaendnis und die Politik des *Empireâ stillschweigend mittragen. Verstaerkt wird dies durch religioese Ausdrucksformen, die imperialistischen Machtstrukturen den Weg bereitenâ, betonte ATS-Direktorin Pfarrerin Dr. Karen Bloomquist.
Zu den beunruhigenden Merkmalen dieser modernen imperialistischen Machtstrukturen gehoert nach Meinung der Teilnehmenden, dass das âEmpireâ nach uneingeschraenkter Macht und grenzenlosen Profiten strebt und sich jeglicher Rechenschaftspflicht entzieht. Besorgniserregend sei auch, so Pfr. Dr. Deenabandhu Manchala vom Oekumenischen Rat der Kirchen (OeRK), wie die Maechte des âEmpire â Strukturen und Kulturen fuer ihre eigenen Zwecke nutzen. Nationalstaaten wuerden sich in wachsendem Masse multinationalen Konzernen unterwerfen, fuegte Dr. Cynthia Moe-Lobeda von der Seattle University (USA) hinzu.
Pfarrerin Dr. Evangeline Anderson-Rajkumar vom United Theological College in Bangalore (Indien) wies auf die Interdependenz von Patriarchat und âEmpireâ hin und Margaret Obaga, eine kenianische Studentin am Luther Seminary, schilderte, wie afrikanische Immigrantinnen in den Twin Cities Minneapolis und St. Paul zwischen diesen beiden Machtstrukturen gefangen seien.
Pfr. Dr. Charles Amjad-Ali vom Luther Seminary analysierte, in welcher Weise eine spezielle Form evangelischer Theologie die Idee des amerikanischen âEmpireâ gestaerkt habe. Andere hingegen betonten, dass Theologie auch die Grundlage fuer den Widerstand gegen imperialistische Machtstrukturen bieten koenne. Dr. Jack Nelson-Pallmeyer von der University of St. Thomas in St. Paul hob die Bedeutung antiimperialistischer und gewaltfreier Traditionen in der Bibel hervor.
In seiner Auseinandersetzung mit den Herausforderungen, vor denen die lutherische Theologie stehe, schilderte Pfr. Dr. Guillermo Hansen von der oekumenischen theologischen Hochschule ISEDET in Buenos Aires (Argentinien), in welcher Weise das âEmpireâ die Anziehungs kraft fundamentalistischer und totalitaerer Gedankensysteme steigere. Seine These, nach der die Theologie des Kreuzes âin dieser Frage ... nicht etwa von margin aler, sondern von zentraler Bedeutung istâ, wurde von den anderen Teilnehmenden unterstuetzt.
Pfr. Dr. Peter Lodberg von der Universitaet von Aarhus (Daenemark) beschrieb Jesus als Gegenpol des âEmpireâ, der nicht mit den Maechtigen, den Herrschenden in der Gesellschaft, sondern mit den Niedrigsten identifiziert werde. Pfr. Dr. Gary Simpson vom Lutheran Seminary rief zu einem âbussfertigen Patriotismusâ auf.
Wiederholt wurde auf die Notwendigkeit hingewiesen, eine kirchliche Identitaet und Praxis zu kultivieren, die eine Alternative zu imperialistischen Machtstrukturen darstelle. Pfarrerin Dr. Cheryl Peterson vom Trinity Lutheran Seminary in Columbus (Ohio/USA) sprach sich fuer eine Ekklesiologie aus, deren Ausgangspunkt das identitaetsstiftende Wirken des Heiligen Geistes sei.
Der am Lutheran Seminary lehrende Suedafrikaner Pfr. Johannes Swart sprach von einer Ekklesiologie, in der Zugehoerigkeit durch âAndersseinâ entstehe, waehrend Pfr. Dr. Michael Hoy aus St. Louis (Missouri/USA) Kriterien dafuer aufstellte, wann die Kirche sich in einer Zeit des âStatus confessionisâ befinde, in der das Evangelium selbst in Gefahr sei.
Weitere Beitraege zu dem Seminar leisteten Pfr. Dr. Allen Jorgensen vom Waterloo Lutheran Seminary (Kanada), Pfr. Dr. John Hoffmeyer vom Lutheran Theological Seminary in Philadelphia (USA), Pfarrerin Faith Lugazia und Pfarrerin Dr. Elieshi Mungure vom Luther Seminary, Mary Joy Philip von der Lutheran School of Theology in Chicago (USA), Pfr. William Strehlow (USA sowie Genf/Schweiz) und Dr. Deanna Thompson von der Hamline University in St. Paul. (692 Woerter)
Eine LWB-Publikation zum Thema âEmpireâ ist fuer Ende dieses Jahres geplant. Weitere Informationen erhalten Sie bei ATS-Direktorin Pfarrerin Dr. Karen Bloomquist via E-Mail: kbl@lutheranworld.org
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