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Herausfordernd, oft provokativ, aber insgesamt sehr hilfreich


From "Frank Imhoff" <Frank.Imhoff@elca.org>
Date Fri, 15 Jul 2005 09:14:30 -0500

Herausfordernd, oft provokativ, aber insgesamt sehr hilfreich
LWB-Seminar zur Autoritaet der Bibel im Leben der Kirche

Warschau (Polen)/Genf, 15. Juli 2005 (LWI) - Herausfordernd, oft
provokativ, aber insgesamt sehr hilfreich - so lautet das Fazit der
TeilnehmerInnen eines Seminars des Lutherischen Weltbundes (LWB) zum
Thema "Die Autoritaet der Bibel im Leben der Kirche". Einige
TeilnehmerInnen der Tagung, die vom 24. bis 30. Juni im Europaeischen
Zentrum fuer Kommunikation und Kultur in Warschau-Falenica (Polen)
stattfand, beschrieben das Seminar auch als eine "befreiende Erfahrung",
da sie sich mit kritischen Fragen auseinander setzen konnten, die ihnen
dabei halfen, Gottes Wort besser zu verstehen, ohne dabei den eigenen
Glauben in Frage zu stellen.

An der Tagung, die von der LWB-Abteilung fuer Theologie und Studien
(ATS) in Genf gemeinsam mit dem LWB-Buero fuer die Region Mittel- und
Osteuropa der LWB-Abteilung Mission und Entwicklung (AME) mit Sitz in
Bratislava (Slowakische Republik) organisiert wurde, nahmen 13
MitarbeiterInnen aus LWB-Mitgliedskirchen in Mittel- und Osteuropa teil.
Die TeilnehmerInnen kamen aus Italien, Lettland, Polen, Rumaenien,
Russland, Serbien-Montenegro, der Tschechischen Republik, Ungarn und der
Ukraine.

Ziel der Tagung war, so Pfr. Dr. Reinhard Boettcher,
ATS-Studienreferent fuer Theologie und die Kirche und verantwortlich
fuer die inhaltliche Gestaltung des Seminars, "die Mitgliedskirchen in
ihrem Bemuehen zu unterstuetzen, die Bibel als Gottes Wort und
entscheidende Norm fuer Predigt, Lehre und Praxis der lutherischen
Kirchen ernst zu nehmen, gleichzeitig aber die historischen und
kontextuellen Bedingungen zu bedenken, die unser Verstaendnis sowie
unsere Auslegung der Bibel unausweichlich bestimmen". Das Seminar
verfolgte nicht das Ziel, die TeilnehmerInnen zu indoktrinieren, sondern
ein Forum fuer Diskussion und Dialog zu bieten, so Boettcher.

In vier Abschnitten wurden vier zentrale Themenkomplexe bearbeitet,
wobei jeder Abschnitt von einem Mitglied eines Teams von DozentInnen
verantwortet wurde. Boettcher eroeffnete die Serie mit der
provozierenden Frage: "Ist die Bibel Gottes Wort?" Der Theologe ging
neben dem historischen Entstehungsprozess der Bibel der Frage nach,
inwieweit die Bibel Gottes Wort oder Menschenwort ist, wie sich diese
beiden Dimensionen zueinander verhalten und welche Bedeutung dies fuer
die Autoritaet der Bibel hat.

Pfr. Dr. Wilfried John aus Malaysia beschaeftigte sich mit der Frage:
"Die Bibel als abgeschlossener Kanon oder Gottes fortlaufende
Offenbarung?" Dabei brachte er Erfahrungen mit charismatischen Gruppen
sowie Pfingstkirchen in seinem eigenen Kontext ein. Prof. Dr. Juergen
Ziemer aus Leipzig (Deutschland) stellte Methoden der Bibelauslegung
vor, unter anderem die historisch-kritische, textkritische,
tiefenpsychologische, feministische sowie befreiungstheologische
Methode. Ziemer praesentierte nicht nur den historischen Hintergrund der
einzelnen Methoden und ihren Ansatz, sondern er vermittelte auch, wie
sie auf einzelne biblische Texte angewandt werden koennen.

Im Mittelpunkt der Ausfuehrungen von Dr. Marta Cserhati aus Ungarn
stand die Kontextualitaet. Ihr Vortrag stand unter dem Thema: "Ist die
Bibel unterdrueckendes Gesetz oder befreiendes Evangelium?" Cserhati
forderte die TeilnehmerInnen dazu auf, diese Frage von dem Hintergrund
eigener Erfahrungen zu beantworten.

Neben den Vortraegen der DozentInnen nahmen Gespraeche in kleinen
Gruppen sowie im Plenum weiten Raum ein. Die TeilnehmerInnen reagierten
weithin positiv auf die Fragestellungen.

Ein russischer Diakon erklaerte: "Bisher hatte ich immer Scheuklappen
vor meinen Augen, wenn es um Verstaendnis und Auslegung der Bibel ging.
Dieses Seminar hat meinen Horizont erheblich erweitert." Ein in der
Kinderarbeit engagiertes Gemeindemitglied aus der Tschechischen Republik
machte die Entdeckung: "Im Licht der Erfahrungen anderer kann ich jetzt
meine eigene Situation viel besser verstehen." Eine Lehrerin aus
Suedosteuropa bekannte: "Ich hatte immer befuerchtet, dass mit meinem
Glauben etwas nicht stimmt, wenn mir kritische Fragen bezueglich der
Bibel kamen. Nun weiss ich, dass ich mich darum nicht sorgen muss." Ein
pensionierter Lektor und Kirchenvorsteher warf ein: "Ich habe meine
Probleme mit der feministischen Bibelauslegung, die mir den Text in
Frage zu stellen scheint. Auf der anderen Seite habe ich enorm viel
gelernt, was mir in meiner Arbeit helfen wird."

Fuer ATS-Studienreferenten Boettcher stellte das Seminar auch ein
"Forum zur Einuebung des Umgangs mit Differenzen in der Verbundenheit
des Glaubens" dar. Viele der TeilnehmerInnen haetten offenkundig "einen
Erfahrungs- und Erkenntnisweg beschritten", der sie letztlich die
Pluralitaet methodischer Zugangsmoeglichkeiten und die ihnen
entsprechenden inhaltlichen Positionen positiv habe wahrnehmen und
wertschaetzen lassen. (658 Woerter)

* * *

Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine Gemeinschaft lutherischer
Kirchen weltweit. 1947 in Lund (Schweden) gegruendet, zaehlt er
inzwischen 138 Mitgliedskirchen, denen rund 66 Millionen ChristInnen in
77 Laendern weltweit angehoeren.

Das LWB-Sekretariat befindet sich in Genf (Schweiz). Das ermoeglicht
eine enge Zusammenarbeit mit dem Oekumenischen Rat der Kirchen (OeRK)
und anderen weltweiten christlichen Organisationen. Der LWB handelt als
Organ seiner Mitgliedskirchen in Bereichen gemeinsamen Interesses, z. B.
oekumenische und interreligioese Beziehungen, Theologie, humanitaere
Hilfe, Menschenrechte, Kommunikation und verschiedene Aspekte von
Missions- und Entwicklungsarbeit.

Die LUTHERISCHE WELT-INFORMATION (LWI) wird als Informationsdienst des
Lutherischen Weltbundes (LWB) herausgegeben. Veroeffentlichtes Material
gibt, falls dies nicht besonders vermerkt ist, nicht die Haltung oder
Meinung des LWB oder seiner Arbeitseinheiten wieder. Die mit "LWI"
gekennzeichneten Beitraege koennen kostenlos mit Quellenangabe
abgedruckt werden.

* * *

LWI online unter: www.lutheranworld.org/News/Welcome.DE.html

LUTHERISCHE WELT-INFORMATION
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