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FEATURE: Wie kann sich die Kirche inmitten zunehmender


From "Frank Imhoff" <Frank.Imhoff@elca.org>
Date Wed, 13 Jul 2005 13:57:51 -0500

FEATURE: Wie kann sich die Kirche inmitten zunehmender Saekularisierung
erneuern?
Lutherische Frauen in Leitungsfunktionen: "Die alten Geschichten der
Bibel zu erzaehlen, ist Aufgabe aller ChristInnen"

Genf, 13. Juli 2005 (LWI) - Die zunehmende Saekularisierung in Mittel-
und Westeuropa und in den nordischen Laendern hat gewaltige Auswirkungen
auf die Kirchen. Immer weniger Menschen verstehen sich als Glaeubige
oder nehmen an Gottesdiensten teil. Wie man diesen Tendenzen
entgegenwirken koenne und wie die Kirche zu erneuern sei, waren Fragen,
mit denen sich 14 Bischoefinnen, Praesidentinnen und Kirchenleiterinnen
aus Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes (LWB) Mitte Juni in
Genf beschaeftigten. Sie nahmen an einer Konferenz teil, die vom Referat
"Frauen in Kirche und Gesellschaft" (FKG) der LWB-Abteilung fuer Mission
und Entwicklung (AME) organisiert wurde.

Die Hamburger Bischoefin Maria Jepsen von der Nordelbischen
Evangelisch-Lutherischen Kirche berichtete im Blick auf die derzeitige
Situation in Deutschland, dass viele Kirchen sonntags leer blieben.
Wegen des wirtschaftlichen Abschwungs seien die Einnahmen der Kirche
erheblich zurueckgegangen. Zurzeit suche die Kirche dringend nach neuen
Formen der Bestandssicherung. "Bis dahin werden Kirchen verkauft. In den
letzten sechs Monaten musste ich fuenf Kirchen in Hamburg entwidmen, und
ein Ende ist noch nicht in Sicht", so Jepsen.

Sie stellte fest, dass die schwierige finanzielle Lage zwar eine
schwere Belastung fuer die deutschen Kirchen darstelle, raeumte aber
auch ein, dass die Krise der Kirche nicht nur finanzielle Ursachen habe.
Sie habe auch etwas mit Spiritualitaet und mit dem Stellenwert der
Beschaeftigung mit der Bibel zu tun. Jepsen hob hervor, dass es wichtig
sei, die biblischen Geschichten zu lesen und weiterzuerzaehlen, und
erklaerte: "Das ist nicht nur Sache der Theologen und Theologinnen,
sondern aller Christen und Christinnen."

"Die *grossartigen Geschichten' muessen wieder den Weg in unser Leben
finden. Sie sind der emotionale und soziale Motor der Gesellschaft, der
Kirche und unseres eigenen Lebens", betonte Bischoefin Jepsen. Trotz
ihres ehrwuerdigen Alters seien sie unveraendert wertvoll und wichtig,
sie hielten laenger als alles Geld der Welt, betonte sie.

Die Lage der Kirche in Schweden sei mit der in Deutschland
vergleichbar, so Bischoefin Caroline Krook von der Dioezese Stockholm
(Schweden). Eine immer staerker saekularisierte Gesellschaft gehe einher
mit immer weniger GottesdienstbesucherInnen. Die Schwedische Kirche habe
vieles von der Lehre und Liturgie der alten, ungeteilten Kirche bewahrt,
aber auch einige groessere Veraenderungen erlebt. Im Jahr 2000 habe die
Schwedische Kirche in ihrem Land einen neuen Status erhalten. In den
letzten Jahrhunderten war sie Staatskirche und unterstand der Aufsicht
der staatlichen Behoerden. Jetzt sei sie unabhaengig und habe groessere
Entscheidungsfreiheit, betonte Krook. So koenne sie beispielsweise
selbst bestimmen, welche Buecher fuer den Gottesdienst benutzt werden,
und PfarrerInnen, DekanInnen und BischoefInnen einsetzen.

Krook aeusserte die Ansicht, dass die notwendige Erneuerung der Kirche
eng mit den brennenden aktuellen Fragen, wie dem Umgang der Kirche mit
Homosexuellen, verknuepft werden muesse. "Wir muessen zu einer Position
finden, die die Treue zur Bibel mit einer aktuellen Auslegung und dem
unserer Zeit gemaessen Umgang mit den biblischen Texten verbindet."

"Die Erneuerung der Kirche ist nicht dadurch zu bewerkstelligen, [dass
wir darauf warten]. Sie wird uns sola gratia, allein aus Gnade,
geschenkt, wenn die Kirche zu ihren Wurzeln zurueckkehrt, zu ihrem
Auftrag, den Menschen an den Raendern der Gesellschaft und denen, die in
konkreten Situationen leiden, die frohe Botschaft in Wort und Tat zu
verkuendigen", betonte Bischoefin Krook. (538 Woerter)

(Ein Beitrag von Julia Heyde, Jugendpraktikantin im LWB-Buero fuer
Kommunikationsdienste.)

* * *

Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine Gemeinschaft lutherischer
Kirchen weltweit. 1947 in Lund (Schweden) gegruendet, zaehlt er
inzwischen 138 Mitgliedskirchen, denen rund 66 Millionen ChristInnen in
77 Laendern weltweit angehoeren.

Das LWB-Sekretariat befindet sich in Genf (Schweiz). Das ermoeglicht
eine enge Zusammenarbeit mit dem Oekumenischen Rat der Kirchen (OeRK)
und anderen weltweiten christlichen Organisationen. Der LWB handelt als
Organ seiner Mitgliedskirchen in Bereichen gemeinsamen Interesses, z. B.
oekumenische und interreligioese Beziehungen, Theologie, humanitaere
Hilfe, Menschenrechte, Kommunikation und verschiedene Aspekte von
Missions- und Entwicklungsarbeit.

Die LUTHERISCHE WELT-INFORMATION (LWI) wird als Informationsdienst des
Lutherischen Weltbundes (LWB) herausgegeben. Veroeffentlichtes Material
gibt, falls dies nicht besonders vermerkt ist, nicht die Haltung oder
Meinung des LWB oder seiner Arbeitseinheiten wieder. Die mit "LWI"
gekennzeichneten Beitraege koennen kostenlos mit Quellenangabe
abgedruckt werden.

* * *

LWI online unter: www.lutheranworld.org/News/Welcome.DE.html

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