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Schlussbericht =FCber Weltsynode der Adventisten


From Christian B. Schäffler (APD Schweiz)
Date Mon, 11 Jul 2005 18:04:21 +0200

11. Juli 2005

Adventistischer Pressedienst (APD)

Christian B. Schaeffler, Chefredakteur

Fax +41-61-261 61 18

APD@stanet.ch

http://www.stanet.ch/APD

CH-4003 Basel, Schweiz

Schlussbericht über Weltsynode der Adventisten
Elf Tage zwischen Kirchenparlament und Weltfestival

St. Louis, Missouri/USA. (APD) Die 58. Generalkonferenz der Siebenten-
Tags-Adventisten fand unter dem Leitwort "Verändert durch Christus"
vom 29. Juni bis 9. Juli in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri statt.
Die Geschäfts- und Kommissions-Sitzungen und das zehntägige
Rahmenprogramm mit Gottesdiensten an den beiden Samstagen
fanden im Edward Jones Dome, einer Art Sportarena, statt. Auf
einem ?Markt der Möglichkeiten? im angrenzenden Kongressgebäude,

dem "America's Center" stellten 560 adventistische Kirchenleitungen,
Verlage, Hochschulen, Krankenhäuser, Radiostationen sowie
kirchliche Organisationen und Sozialwerke ihre Aktivitäten vor. Die
Weltsynode wurde von bis zu 40 000 Personen, darunter 15 000
Dauergästen aus über 150 Ländern, besucht.

Die nur alle fünf Jahre stattfindende Weltsynode ist das oberste
Entscheidungsgremium der evangelischen Freikirche. Die Delegierten
tagten öffentlich und vertraten 14,3 Millionen erwachsen getaufte
Adventisten in 204 Ländern. Alle Veranstaltungen in denen die
weltweite Arbeit der Freikirche vorgestellt wurde, waren allgemein
zugänglich. Für die Verständigung der Delegierten und Besucher
sorgten 230 ehrenamtliche Dolmetscher durch Simultanübersetzungen
in 20 Sprachen, darunter Deutsch, Französisch, Rumänisch, Russisch
und Spanisch.

Nach einem Tag der geistlichen Besinnung und des Gebets wurde die
Generalkonferenz-Vollversammlung eröffnet. Die 2 000 Delegierten
befassten sich mit dem Auftrag und den Zukunftsplänen der
weltweiten Freikirche. Darüber hinaus wurden Arbeits- und
Rechenschaftsberichte der Weltkirchenleitung sowie der 13
Kirchenleitungen auf kontinentaler Ebene entgegengenommen,
Änderungen der Satzung und Anpassungen der Gemeindeordnung
beschlossen sowie den "Glaubensüberzeugungen" ein weiterer
Artikel mit dem Titel "Die Erfahrung der Erlösung" hinzugefügt.
In dem neuen Text ist die Rede davon, dass Christus "die
dämonischen Geister" unterworfen hat und auch Christen "
den Sieg über die bösen Mächte" schenkt, "die uns immer
noch beherrschen wollen".

Ausserdem galt es, über 150 Stellen mit Verantwortlichen der
Generalkonferenz-Leitung und der Kirchenleitungen auf kontinentaler
Ebene zu besetzen. Dabei gab es allerdings auffallend wenige
Veränderungen bei der Besetzung der Führungspositionen auf allen
Ebenen. Pastor Dr. Jan Paulsen (70), ein gebürtiger Norweger, der
dieses Amt seit 1999 innehat, wurde einstimmig für weitere fünf
Jahre zum Präsidenten der Generalkonferenz (Weltkirchenleitung)
wiedergewählt. Er ist der dritte Amtsinhaber der seit 1863 bestehenden

evangelischen Freikirche, der nicht aus den Vereinigten Staaten
stammt. Die beiden anderen waren der Norweger Ole A. Olsen
(1888-1897) und der Australier Charles H. Watson (1930-1936).

Zu einem überraschenden Durchbruch kam es allerdings bei der
Wahl der Vizepräsidenten. Erstmals in der Kirchengeschichte der
Adventisten wurde mit der Afroamerikanerin Dr. Ella Louise Smith
Simmons eine Frau in eines der höchsten Kirchenämter gewählt.
Die Delegierten folgten damit einem Vorschlag des 196 Personen
umfassenden Ernennungsausschusses.

Knapp 48 Stunden später kam es aber zu einer Änderung der
Kirchenverfassung, wonach der Präsident der Generalkonferenz ein
"ordinierter, erfahrener Geistlicher" sein müsse. Dadurch wird
Frauen der Zugang zum obersten Leitungsamt verwehrt. Sie
können zwar nach ihrem Theologiestudium in der Freikirche
als Pastorin "gesegnet" werden und damit fast alle Amtshandlungen,
wie Taufe, Abendmahl, Trauung und Beerdigung, vornehmen; doch
ordiniert werden nur männliche Geistliche. Dennoch wurden von den
Delegierten kurz darauf zwei weitere Frauen in hohe Kirchenämter
gewählt: Die Afroamerikanerin Rosa T. Banks als neue stellvertretende
Generalsekretärin und die Philippinin Daisy Jane Orion als
stellvertretende Schatzmeisterin. Beide Frauen gehören damit
zum engeren Führungskreis der Weltkirchenleitung.

Die rasante Mitgliederentwicklung der letzten Jahrzehnte mit einer
jährlichen Zuwachsrate von rund 5 Prozent veranlasste die
Weltkirchenleitung, sich mit der Frage zu beschäftigen, wie
gewährleistet werden könne, dass diese neue Generation von
Adventisten die Identität der Freikirche bewahre. Deshalb
befasste sich die Weltsynode erstmals an fünf Tagen
hintereinander mit den Qualitätsmerkmalen adventistischer
Führungskräfte. Nach halbstündigen Referaten stand die
restliche Zeit für den Meinungsaustausch zur Verfügung. Das
Material soll später den Verwaltungsstellen auf allen Ebenen für
Führungs-Seminare zur Verfügung gestellt werden.

Kritisch wurde bei Delegierten, Gästen und Besuchern die Tatsache
aufgenommen, dass von den 2 000 Delegierten der Weltsynode
nur 34 unter 30 Jahre alt waren. Anderen Angaben zufolge sollen
es lediglich 15 gewesen sein. Immer wieder wurde die Frage laut:
"Wo ist die Jugend?" Der wiedergewählte Präsident, Pastor Dr. Jan
Paulsen, betonte bei der Eröffnung der Synode, dass von den
weltweit 14,3 Millionen Mitgliedern etwa 70 Prozent zur Generation
bis 30 zählten. Er forderte die Jugendlichen und jungen Erwachsenen
auf, mit der älteren Generation in eine Partnerschaft zu treten, denn
in den jungen Leuten steckten Energien und Ideen, auf die niemand
verzichten könne. Die Kritik fiel deshalb stark ins Gewicht, weil bei
der letzten Weltsynode 2000 in Toronto/Kanada zwar auch nur 45
Delegierte im Alter unter 30 Jahren waren. Damals beschlossen
die Abgeordneten, die Kirchenleitung eindringlich zu bitten, bei der
nächsten Weltsynode 2005 in St. Louis mehr Jugendliche als
Delegierte zu benennen. Obwohl Präsident Paulsen in einem
Rundschreiben alle 13 überregionalen Kirchenleitungen aufgefordert
hatte, bei der Auswahl der Delegierten auf einen hohen Anteil junger
Menschen zu achten und in seinem Brief mahnte, dass die Jugend
die Zukunft unserer Kirche bedeutet?, ging die Zahl der
Jugenddelegierten zurück. Pastor Baraka Muganda, wiedergewählter
Direktor der Jugendabteilung der Generalkonferenz, sagte: "Es ist
an der Zeit, dass wir junge Leute an den Entscheidungsprozessen
beteiligen."

Die Jugendlichen waren hingegen sehr zahlreich im Rahmenprogramm,
vor allem bei den musikalischen Darbietungen, vertreten. An der Aktion
"Impact St. Louis" beteiligten sich 400 junge Adventisten aus 15
Ländern während der gesamten Kongresszeit in der Fussgängerzone
der City an einer Strassenevangelisation, um mit den unterschiedlichsten

Methoden Menschen anzusprechen. Weitere Aktionen, wie Einsätze für
Obdachlose, Malen von Strassengraffitis sowie die Aktion "Clean Sweep",
bei der Jugendliche die Strassen der Nachbarstadt Berkeley von Unrat
reinigten, wurden durchgeführt.

Vertreter der Baptisten, Katholiken, Lutheraner (Missouri-Synode),
Mennoniten, Presbyterianer, der jüdischen Gemeinde und der
Präsident der Konferenz Europäischer Kirchen, Pfarrer Jean-Arnold
de Clermont, überbrachten der Weltsynode Grussworte. Auch der
Staatspräsident der afrikanischen Republik Botswana, Festus G.
Mogae sandte eine Grussbotschaft. Unter den Gästen waren ferner der
Generalgouverneur und Vertreter der britischen Krone für den
karibischen Inselstaat Antigua und Barbuda, Sir James Carlisle, der
Vizepräsident der Nationalversammlung von Angola, Benjamin Foster
Bieva, sowie weitere Amtsträger aus Indien, Papua-Neuguinea und
der Bürgermeister von St. Louis.

Den Abschluss der multikulturellen Grossveranstaltung bildete
traditionellerweise die "Parade der Nationen", an der Frauen,
Männer und Kinder aus allen 204 Ländern, in denen Adventisten
vertreten sind, teilnahmen, darunter erstmals aus dem Irak und der
Demokratischen Volksrepublik Korea. Die Schlussveranstaltung
sowie der grösste Teil des Programms der Weltsynode wurden
live über verschiedene Satelliten-Fernsehnetzwerke, zahlreiche
Rundfunkstationen und per Internet übertragen.

Die Adventisten sind eine weltweite christliche Gemeinschaft mit
über 25 Millionen Gottesdienstbesuchern, von denen 93 Prozent
ausserhalb der USA und rund 33 Prozent auf dem afrikanischen
Kontinent leben.


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