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FEATURE: Beteiligung des Lutherischen Weltbundes an der
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"Frank Imhoff" <Frank.Imhoff@elca.org>
Date
Mon, 21 Feb 2005 08:25:59 -0600
FEATURE: Beteiligung des Lutherischen Weltbundes an der Zivilgesellschaft
Verstaerktes Engagement des LWB auf dem Weltsozialforum
Porto Alegre (Brasilien)/Genf, 20. Februar 2005 (LWI) - Seit dem zweiten
Weltsozialforum (WSF) 2002 beteiligt sich der Lutherische Weltbund (LWB)
in jedem Jahr an diesem wichtigen Forum fuer internationale zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit. Die Anzahl der LWB-Delegierten ist Jahr fuer Jahr
gestiegen, und ihre Mitwirkung an den vielfaeltigen Aktivitaeten des
Forums unter dem Motto "Eine andere Welt ist moeglich" hat sich intensiviert. Das WSF wurde 2001 im brasilianischen Porto Alegre als alternative
Veranstaltung zum Weltwirtschaftsforum (WWF) in Davos (Schweiz) gegruendet.
Beim WSF 2005 vom 26. bis 31. Januar in Porto Alegre sprach die brasilianische Journalistin Susanne Buchweitz, die fuer die Lutherische Welt-Information (LWI) berichtet, mit Mitgliedern der 60-koepfigen LWB-Delegation.
"Ich konnte hier eine Menge ueber das Forum und die aktuellen globalen
Fragestellungen lernen", betonte Imrul Kayes Muniruzzaman, Projektleiter
fuer soziale Mobilisierung des Rangpur Dinajpur Rural Service (RDRS) in
Bangladesch. Der RDRS ist eines der 24 Laenderprogramme der LWB-Abteilung
fuer Weltdienst (AWD).
Muniruzzaman und seine Kollegin Dilrose Hossain nahmen an einem Workshop
zum Menschenrechtsansatz (rights-based approach) in der Entwicklungsarbeit
teil. Sie praesentierten die Entwicklung des RDRS seit der Einrichtung als
AWD-Laenderprogramm unmittelbar nach der Unabhaengigkeit Bangladeschs
1971. Seit 1997 ist RDRS ein assoziiertes LWB/AWD-Programm, das landesweit
zu den wichtigsten nichtstaatlichen Entwicklungshilfeorganisationen
zaehlt. Anfangs leistete RDRS schwerpunktmaessig Nothilfe und unterstuetzte die Repatriierung von Fluechtlingen. Seit 1980 konzentriert sich das
Programm auf laendliche Entwicklung mit den Schwerpunkten Gesundheit,
Bildung und Landwirtschaft. "Aber wir arbeiteten nicht umfassend genug.
Inzwischen haben wir erkannt, dass diese Art der Unterstuetzung den
Beduerftigen nicht wirklich dazu verholfen hat, ihre Lebenssituation zu
verbessern. Sie benoetigten eine umfassendere Unterstuetzung", so
Muniruzzaman.
Seitdem widmet sich der RDRS umfassenderen Entwicklungsmassnahmen im
Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes. Er betreut inzwischen rund 300.000
beduerftige Familien in sieben Bezirken im Norden des Landes. Schwerpunkte
sind die Mobilisierung der Bevoelkerung und Hilfe zur Selbstbestimmung,
die Verbesserung der Existenzgrundlagen durch Taetigkeiten in Landwirtschaft und Umweltschutz sowie die Komponente Kleinkredite.
Bangladesch mit einer Bevoelkerung von mehr als 141 Millionen Menschen sei
ein extrem armes Land, hob Hossain hervor. "Den Menschen dort fehlt es an
allem Moeglichen, einschliesslich ihrer Rechte. Es mangelt an Bewusstsein
und Aufklaerung - insbesondere ueber die Rechte der Menschen auf Land und
die Rechte der Frauen." Dilrose Hossain ist im RDRS verantwortlich fuer
innovative Projekte, darunter HIV/AIDS-Praevention und Zusammenarbeit mit
Netzwerken der Nichtregierungsorganisationen (NGOs).
Zusammenschluss mit Netzwerken im Kampf gegen Ungerechtigkeit
Shashi Rijal, Koordinatorin fuer Anwaltschaft des AWD-Laenderprogramms in
Nepal, nahm an zahlreichen Workshops zu den Themenkreisen Menschenrechtsverletzungen teil. "Ich habe ganz bestimmt viel gelernt, was mir helfen wird,
in meinem eigenen Verantwortungsbereich voranzukommen." Schwerpunkt des
1984 errichteten AWD-Programms in Nepal ist die Mobilisierung der
Schwaechsten in der Gesellschaft, um diesen zu einem angemessenen und
nachhaltigen Lebensunterhalt zu verhelfen. In den Vordergrund ruecken
zunehmend Anwaltschaft und Vernetzung zur Unterstuetzung zivilgesellschaftlicher Anstrengungen zur Bekaempfung von Unrecht, insbesondere in Bezug auf
ausgegrenzte und benachteiligte Gruppen und Gemeinschaften wie die
"Unberuehrbaren" (Dalits) und die befreiten Leibeigenen (Kamaiyas).
Daneben betreut das Programm mehr als 100.000 bhutanesische Fluechtlinge
in sieben Lagern im Suedosten Nepals.
Fuer Marta André Uetela, beim AWD-Laenderprogramm in Mosambik zustaendig
fuer Menschenrechtsfragen, war es das erste WSF. "Ich war mir vorher nicht
sicher, ob sich eine Gelegenheit ergeben wuerde, die Anliegen Mosambiks zu
eroertern. Aber dann merkte ich doch, dass wir alle die gleichen Probleme
haben." Das AWD-Laenderprogramm in Mosambik erstreckt sich auf fuenf der
insgesamt zehn Provinzen des Landes. Prioritaeten sind die Unterstuetzung
der Bevoelkerung im Blick auf die Reduzierung der Risiken und Anfaelligkeit fuer HIV/AIDS sowie die Milderung der Folgen fuer die von der Krankheit
Betroffenen. Daneben werden die Schwaechsten der Gesellschaft betreut und
ausgebildet, um Ernaehrungssicherheit zu gewaehrleisten, das Menschenrechtsbewusstsein zu foerdern, Aufklaerung ueber eine gesundheitsfoerdernde
Lebensweise zu leisten und ein Bewusstsein fuer den Umweltschutz zu
schaffen.
Menschenrechtsbasierter Ansatz als Mittel zur Beseitigung der Ursachen
Die LWB-Delegation beteiligte sich auch an Diskussionen ueber einen
menschenrechtsbasierten Entwicklungsansatz. "Seit seiner Gruendung
engagiert sich der LWB fuer Menschenrechte und Entwicklungsarbeit. Neu
sind unsere bewussten Anstrengungen der vergangenen zwei oder drei Jahre,
MenschenrechtsaktivistInnen und in der Entwicklungszusammenarbeit Taetige
zusammenzubringen", betonte Maria Immonen, AWD-Programmreferentin fuer
Anwaltschaft und Kommunikation. Ungeachtet des spuerbaren Einflusses durch
die Menschenrechtsarbeit habe die praktische Entwicklungszusammenarbeit
die Machtstrukturen bislang nicht wirklich veraendern koennen. "Der
menschenrechtsbasierte Ansatz gibt uns die Mittel an die Hand, die
Ursachen der Probleme in den einzelnen Laendern aufzuzeigen und zu
bewaeltigen. Beispielsweise ist im Blick auf den Wassermangel zu fragen:
Welches sind die Ursachen, und was kann die Bevoelkerung vor Ort dagegen
tun?", so Immonen.
Der menschenrechtsbasierte Ansatz orientiert sich an dem entwicklungsorientierten normativen Instrumentarium der Vereinten Nationen im Bereich
Menschenrechte; die Rechenschaftspflicht von Regierungen tritt mithin
zunehmend in den Vordergrund. "Das wirkt sich auch darauf aus, wie wir die
Menschen sehen, mit denen wir arbeiten. Wir betrachten sie nicht laenger
als Beguenstigte, sondern vielmehr als Inhaber und Inhaberinnen bestimmter
Rechte", fuegte Immonen hinzu. Die AWD engagiert sich in 37 Laendern
weltweit mit vier regionalen, 15 Laender- und fuenf assoziierten Programmen sowie im Rahmen der Nothilfearbeit.
Vidhya Rani, Frauenreferentin der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen
Kirche in Indien (VELKI) und Regionalkoordinatorin des LWB-Referats Frauen
in Kirchen und Gesellschaft, ging es im Wesentlichen um die Frage der
Privatisierung von Wasser - ein in Indien zunehmend dringendes Anliegen.
Die VELKI habe 2004 zum "Jahr des Wassers" erklaert, mit dem Ziel, bei den
Mitgliedskirchen ein Bewusstsein fuer dieses Anliegen zu schaffen, so
Rani. Auf dem WSF beteiligte sie sich an einem von der "International
Coalition Against Privatization of Water" veranstalteten Seminar, bei dem
unterschiedliche Perspektiven der Wasserprivatisierung und ihre Auswirkungen auf die Armen aufgegriffen wurden.
Wichtiger Beitrag des LWB im Bereich Diakonie
"Der LWB hat sich am diesjaehrigen WSF staerker als je zuvor beteiligt,
sowohl in Bezug auf die hohe Zahl der Teilnehmenden als auch auf deren
Vielfalt", erklaerte Delegationsleiter Peter Prove, Assistent des
LWB-Generalsekretaers im Bereich Internationale Angelegenheiten und
Menschenrechte.
Im LWB-Team waren alle Kontinente zumindest durch eine Person vertreten.
"Das ist eine ueberaus erfreuliche Entwicklung im Vergleich zu unserer
Praesenz noch vor zwei oder drei Jahren, als allenfalls drei bis vier
Personen erschienen. Und es zeugt von einem sehr viel groesseren Engagement", betonte Prove. Er erinnerte daran, dass die Zehnte LWB-Vollversammlung
im Juli 2003 im kanadischen Winnipeg das WSF als wichtigen Ort fuer die
Beteiligung der lutherischen Gemeinschaft am Streben nach sozialer
Gerechtigkeit gewuerdigt hatte.
Gleichwohl sollte sich der LWB auf dem Weltsozialforum nicht auf die Rolle
eines "Schuelers" beschraenken, sondern auch seine eigenen Erfahrungen und
Kenntnisse vermitteln. "Ich denke, wir haben etwas ganz Wichtiges
beizutragen: unsere Erfahrungen in den Bereichen Diakonie und humanitaere
Hilfe. Aus meiner Sicht waren die Beitraege des LWB lehrreich und wertvoll
fuer andere Teilnehmende, und darauf kommt es an."
Prove rief noch einmal in Erinnerung, was Pfr. Ángel F. Furlan,
ehemaliger Praesident der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in
Argentinien, vor drei Jahren erklaert hatte: "Das Weltsozialforum ist ein
Ort, an dem Kirchen Teil der Zivilgesellschaft sein koennen, statt ihr
voraus zu sein oder ihr im Schlepptau zu folgen."
Der Leiter der LWB-Delegation auf dem WSF 2005 hob die Konkurrenzlosigkeit
des Treffens als Forum und Versammlungsort der globalen Zivilgesellschaft
hervor. "Gewiss krankt es an der einen oder anderen organisatorischen
Unzulaenglichkeit und bezieht nicht wirklich die ganze Welt mit ein. So
koennte man etwa bemaengeln, dass die eigentliche Basis nicht repraesentiert ist. Aber es hat sich als das wichtigste internationale Forum fuer die
Bemuehungen der Zivilgesellschaft um soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit etabliert", so Prove. (1.221 Woerter)
(Bearbeitung eines urspruenglich auf Portugiesisch erschienenen Beitrags
der in Porto Alegre ansaessigen Journalistin Susanne Buchweitz fuer LWI.)
* * *
Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine Gemeinschaft lutherischer Kirchen
weltweit. 1947 in Lund (Schweden) gegruendet, zaehlt er inzwischen 138
Mitgliedskirchen, denen rund 66 Millionen ChristInnen in 77 Laendern
weltweit angehoeren.
Das LWB-Sekretariat befindet sich in Genf (Schweiz). Das ermoeglicht eine
enge Zusammenarbeit mit dem Oekumenischen Rat der Kirchen (OeRK) und
anderen weltweiten christlichen Organisationen. Der LWB handelt als Organ
seiner Mitgliedskirchen in Bereichen gemeinsamen Interesses, z. B.
oekumenische und interreligioese Beziehungen, Theologie, humanitaere
Hilfe, Menschenrechte, Kommunikation und verschiedene Aspekte von
Missions- und Entwicklungsarbeit.
Die LUTHERISCHE WELT-INFORMATION (LWI) wird als Informationsdienst des
Lutherischen Weltbundes (LWB) herausgegeben. Veroeffentlichtes Material
gibt, falls dies nicht besonders vermerkt ist, nicht die Haltung oder
Meinung des LWB oder seiner Arbeitseinheiten wieder. Die mit "LWI"
gekennzeichneten Beitraege koennen kostenlos mit Quellenangabe abgedruckt
werden.
* * *
LWI online unter: www.lutheranworld.org/News/Welcome.DE.html
LUTHERISCHE WELT-INFORMATION
Postfach 2100, CH-1211 Genf 2, Schweiz
Deutsche Redaktion: Dirk-Michael Groetzsch
Tel.: +41-22-791-6353
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