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Schweden: Samen fuer Selbstaendigkeit innerhalb der
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"Frank Imhoff" <FRANKI@elca.org>
Date
Tue, 11 May 2004 09:07:38 -0500
Schweden: Samen fuer Selbstaendigkeit innerhalb der Schwedischen Kirche
Samischer Rat der Schwedischen Kirche will moegliche Konsequenzen abklaeren
Stockholm (Schweden)/Genf, 11. Mai 2004 (LWI) - Fuer eine eigene, nicht an
geografische Grenzen gebundene Gemeinde innerhalb der Schwedischen Kirche
haben sich die schwedischen Samen ausgesprochen. Mit diesem Anliegen hat sich
das samische Parlament an den Kirchenrat gewandt, berichtet die schwedische
Kirchenzeitung "Kyrkans Tidning".
"Eine eigene Gemeinde verleiht uns mehr Unabhaengigkeit. Dadurch koennten wir
beispielsweise unsere Taetigkeiten selbst finanzieren", betont Birger
Nilsson, Abgeordneter der Samelandsparti im samischen Parlament. Das samische
Parlament ist das hoechste beschlussfassende Organ. Im vergangenen Herbst
hatte es sich einstimmig hinter den Vorschlag Nilssons zur Bildung einer
einzigen, grenzueberschreitenden, samischen Gemeinde gestellt. In Schweden
leben schaetzungsweise 17.000 Angehoerige des indigenen Volks der Samen.
Gemaess dem samischen Parlament haette eine eigenstaendige Gemeinde der Samen
die Moeglichkeit, eigene PfarrerInnen und andere GemeindemitarbeiterInnen
anstellen. Sie wuerden ueber eigene Raeumlichkeiten verfuegen, koennten die
samische Liturgie foerdern und eine bessere Seelsorge gewaehrleisten.
Bis vor ungefaehr zehn Jahren hatten die Samen einen eigenen Hauptpfarrbezirk
innerhalb der Schwedischen Kirche. "Nach dessen Aufloesung wurde es immer
schwieriger, Gottesdienste in samischer Sprache abzuhalten und Seelsorge in
dieser Sprache anzubieten", erklaert Birger Nilsson. Die Einrichtung
spezieller Pfarrstellen fuer die Arbeit mit den Samen in den Dioezesen
Haernoesand und Lulee habe jedoch nicht gleich gut funktioniert und so gebe
es gegenwaertig in Haernoesand keine/n PfarrerIn fuer die Arbeit in der
samischen Gemeinde.
"Fuer uns ist es unnatuerlich, zwei verschiedenen Dioezesen anzugehoeren. Mit
einer eigenen Gemeinde hingegen koennen saemtliche Samen Schwedens unter
einem Dach vereint werden. Aus diesem Grund moechten wir die Gemeinde auch in
die landesweite Erzdioezese einbinden", so Birger Nilsson.
Der samische Rat der Schwedischen Kirche verhaelt sich diesem Plan gegenueber
abwartend. Er will zunaechst die moeglichen Konsequenzen des Vorschlags
gruendlich abklaeren. "Ich verstehe das Beduerfnis der Samen, bin jedoch
etwas skeptisch", meint Ratssprecher Johannes Marainen. "In ihren
Heimatgemeinden sind die Samen natuerliche Mitglieder. Was aber, wenn sie
ploetzlich eine andere Stellung erhalten? Dies hat doch Konsequenzen, nicht
zuletzt fuer ihre eigene Identitaet." Laut Johannes Marainen waere es eine
bessere Loesung, fuer die Samen ein oder zwei Hauptpfarrbezirke einzurichten.
Gegenwaertig gibt es innerhalb der Schwedischen Kirche fuenf
nicht-territoriale Gemeinden. Im Zusammenhang mit der neuen Kirchenordnung
wurde im Jahr 2000 darueber diskutiert, ob diese Gemeinden weiter bestehen
sollten. Die Diskussion endete mit einem Ja zu deren Fortbestand.
Waehrend der Zehnten Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) im
Juli 2004 im kanadischen Winnipeg trafen sich erstmals in der Geschichte des
LWB indigene TeilnehmerInnen zu ausserplanmaessigen Sitzungen, um ueber
Themen gemeinsamen Interesses zu beraten. VertreterInnen der indigenen
Bevoelkerungen aus El Salvador, Bolivien, Honduras, Costa Rica, Indien,
Bangladesch, Groenland und der Samen aus Norwegen und Schweden formulierten
eine Botschaft an die Delegierten, in der sie betonten, dass sich indigene
Voelker oft machtlos fuehlten, was ihre Selbstbestimmung und ihren Zugang zu
Ausbildung, Gesundheitsversorgung und zum Arbeitsmarkt angehe.
Insgesamt 300 Millionen Menschen in der ganzen Welt muessten den indigenen
Voelkern zugerechnet werden, heisst es in dem Text. 4.000-5.000 der weltweit
gesprochenen 6.000 Sprachen seien Sprachen von indigenen Voelkern, die damit
einen grundlegenden Teil der kulturellen Vielfalt der Menschheit bildeten.
Dennoch gehoerten ihre Angehoerigen oft zu den aermsten und am meisten
diskriminierten - in Bezug auf Landrechte, ethnischen Hintergrund, Sprache
und Kultur.
Die Vollversammlung verpflichtete sich und rief die LWB-Mitgliedskirchen auf,
weiterhin die grundlegenden Menschenrechte indigener Voelker einschliesslich
der Landrechte, die fuer das Ueberleben von indigenen Bevoelkerungsgruppen
und ihrer Kultur grundlegende Bedeutung haetten, gemaess dem Voelkerrecht und
den internationalen Normen anzuerkennen und zu unterstuetzen. Ausserdem
sollten die indigenen Bevoelkerungsgruppen in den Mitgliedskirchen zur
Kenntnis genommen und als gleichwertige PartnerInnen angenommen werden. (591
Woerter)
* * *
Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine Gemeinschaft lutherischer Kirchen
weltweit. 1947 in Lund (Schweden) gegruendet, zaehlt er inzwischen 136
Mitgliedskirchen, denen rund 62,3 Millionen der weltweit knapp 66 Millionen
LutheranerInnen in 76 Laendern angehoeren.
Das LWB-Sekretariat befindet sich in Genf (Schweiz). Das ermoeglicht eine
enge Zusammenarbeit mit dem Oekumenischen Rat der Kirchen (OeRK) und anderen
weltweiten christlichen Organisationen. Der LWB handelt als Organ seiner
Mitgliedskirchen in Bereichen gemeinsamen Interesses, z. B. oekumenische und
interreligioese Beziehungen, Theologie, humanitaere Hilfe, Menschenrechte,
Kommunikation und verschiedene Aspekte von Missions- und Entwicklungsarbeit.
Die LUTHERISCHE WELT-INFORMATION (LWI) wird als Informationsdienst des
Lutherischen Weltbundes (LWB) herausgegeben. Veroeffentlichtes Material gibt,
falls dies nicht besonders vermerkt ist, nicht die Haltung oder Meinung des
LWB oder seiner Arbeitseinheiten wieder. Die mit "LWI" gekennzeichneten
Beitraege koennen kostenlos mit Quellenangabe abgedruckt werden.
* * *
LWI online unter: www.lutheranworld.org/News/Welcome.DE.html
LUTHERISCHE WELT-INFORMATION
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Deutsche Redaktion: Dirk-Michael Groetzsch
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