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Re: Kirchen muessen Zufluchtsort fuer HIV/AIDS-Betroffene sein
From
"Frank Imhoff" <franki@elca.org>
Date
Wed, 05 May 2004 06:20:38 -0500
Kirchen muessen Zufluchtsort fuer HIV/AIDS-Betroffene sein
Um "das Schweigen zu brechen", muessen Kirchen gegenueber religioesen,
gesellschaftlichen und kulturellen Schranken aufmerksamer sein
Odessa (Ukraine)/Genf, 30. April 2004 (LWI) - Die TeilnehmerInnen der
Konsultation europaeischer KirchenleiterInnen zum Thema HIV/AIDS, die
vom 20. bis 25. April 2004 in Odessa (Ukraine) stattfand, haben die
lutherischen Kirchen in Europa dazu aufgerufen, Zufluchtsort fuer
HIV/AIDS-Betroffene zu sein. Kirchen haetten eine spezifische
Verantwortung, den verschiedenen spirituellen Dimensionen der
Problematik in sensibler und angemessener Weise Rechnung zu tragen. Die
Kirchen muessten auf Betroffene, und insbesondere auf die, die oft als
"AussenseiterInnen" behandelt oder stigmatisiert und ausgestossen
wuerden, zugehen und ihnen eine Heimat geben, so die Abschlussbotschaft
der Tagung, die vom Lutherischen Weltbund (LWB) in Zusammenarbeit mit
der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine (DELKU)
veranstaltet wurde. An der Konsultation nahmen rund 40 VertreterInnen
europaeischer LWB-Mitgliedskirchen und Verantwortliche in der Frauen-
und Jugendarbeit sowie MitarbeiterInnen regionaler und internationaler
NGOs teil.
Die TeilnehmerInnen forderten in ihrer Abschlussbotschaft mit dem Titel:
"Miteinander verbunden", in der sie auch vor dem Aufbrechen neuer
Graeben im Zusammenhang mit dem offiziellen Beitritt weiterer zehn
Laender zur Europaeischen Union (EU) warnten, die Kirchen muessten sich
Wissen ueber die Fakten bezueglich HIV/AIDS aneignen. Hierzu gehoere die
Aneignung von Wissen zu den Uebertragungswegen, zur Lebensrealitaet und
den tatsaechlichen Beduerfnissen der Betroffenen und zu Moeglichkeiten,
wie in den Kirchen, Familien und Gemeinwesen offener ueber HIV/AIDS
gesprochen werden koenne. Um "das Schweigen zu brechen", muessten die
Kirchen gegenueber religioesen, gesellschaftlichen und kulturellen
Schranken, die zu diesem Schweigen beigetragen haben, aufmerksamer sein.
Dies sollte auf allen Ebenen kirchlicher Bildungsprogramme geschehen, in
einer schlichten Sprache, die allgemein verstaendlich ist.
Waehrend der Tagung seien am Beispiel HIV/AIDS einige theologische
Differenzen deutlich geworden, so die TeilnehmerInnen. Daher sei eine
vertiefte theologische Reflexion noetig - "in Form staerker
biblisch-fundierter theologischer Lern-, Verstehens- und
Diskussionsprozesse als Grundlage einer Reaktion aus dem Evangelium von
Jesus Christus heraus, das wir verkuendigen und leben wollen". Besonders
in der theologischen Ausbildung von Geistlichen und anderen
Kirchenmitgliedern sollte dieser Aspekt Beruecksichtigung finden.
Weiterhin seien spezifische Bildungsangebote noetig in den Bereichen
Seelsorge, Beratung, Jugendarbeit und Diakonie, damit die Aufklaerung
ueber und Vorbeugung gegen HIV/AIDS sowie die Begleitung Betroffener
wirksamer gestaltet werden koennten, so die Botschaft.
Die TeilnehmerInnen der Konsultation forderten die Kirchen auf, alle von
HIV/AIDS Betroffenen zu begleiten und zu unterstuetzen. Dies sei Teil
der Berufung, an der durch die Taufe alle ChristInnen teilhaetten.
Dringend noetig sei, die Vorbeugung zu foerdern, hierzu gehoerten
Sexualaufklaerung, Gleichstellung der Geschlechter, sexuelle
Enthaltsamkeit und eine spaetere Aufnahme der sexuellen Aktivitaet,
Vermeidung von Risikoverhalten, Gebrauch von Kondomen, sterilen bzw.
Einwegspritzen, virusfreien Blutkonserven und anderen Massnahmen zur
Vorbeugung einer Uebertragung des Virus.
Die Kirchen muessten "christliche Werte vermitteln, die Leben foerdern
und schuetzen und auf der Liebe zu sich selbst und zum Naechsten
basieren", so der Text der Botschaft. Sie sollten Werte vermitteln, die
Ehe und Familienleben sowie die gegenseitige Verantwortlichkeit auf dem
Gebiet der Sexualitaet und die Treue zueinander foerdern.
Um der HIV/AIDS-Pandemie wirksamer zu begegnen, muessten die
lutherischen Kirchen mit anderen Kirchen, Nichtregierungsorganisationen,
Regierungen und Selbsthilfegruppen von der lokalen bis zur
internationalen Ebene zusammenarbeiten. "Wir muessen fuer die
Menschenrechte derjenigen, die mit HIV/AIDS leben, eintreten und uns
fuer Regelungen und eine Praxis einsetzen, die diese Personen und ihre
Beduerfnisse, etwa den bezahlbaren Zugang zu Medikamenten, wirksam
unterstuetzen" so die TeilnehmerInnen.
Die Tagung in Odessa war die letzte von vier Regionalkonferenzen, die
auf der Grundlage der 2002 initiierten globalen LWB-Kampagne gegen
HIV/AIDS und deren Aktionsplan "Anteilnahme, Umkehr, Zuwendung: Kirchen
reagieren auf die HIV/AIDS-Pandemie" geplant wurden. Die erste
Regionalkonsultation hatte 2002 in Afrika stattgefunden, es folgte im
Maerz 2003 eine weitere fuer die Region Lateinamerika und Karibik, die
Konferenz fuer die Region Asien fand im Dezember 2003 statt. (609
Woerter)
* * *
Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine Gemeinschaft lutherischer
Kirchen weltweit. 1947 in Lund (Schweden) gegruendet, zaehlt er
inzwischen 136 Mitgliedskirchen, denen rund 62,3 Millionen der weltweit
knapp 66 Millionen LutheranerInnen in 76 Laendern angehoeren.
Das LWB-Sekretariat befindet sich in Genf (Schweiz). Das ermoeglicht
eine enge Zusammenarbeit mit dem Oekumenischen Rat der Kirchen (OeRK)
und anderen weltweiten christlichen Organisationen. Der LWB handelt als
Organ seiner Mitgliedskirchen in Bereichen gemeinsamen Interesses, z. B.
oekumenische und interreligioese Beziehungen, Theologie, humanitaere
Hilfe, Menschenrechte, Kommunikation und verschiedene Aspekte von
Missions- und Entwicklungsarbeit.
Die LUTHERISCHE WELT-INFORMATION (LWI) wird als Informationsdienst des
Lutherischen Weltbundes (LWB) herausgegeben. Veroeffentlichtes Material
gibt, falls dies nicht besonders vermerkt ist, nicht die Haltung oder
Meinung des LWB oder seiner Arbeitseinheiten wieder. Die mit "LWI"
gekennzeichneten Beitraege koennen kostenlos mit Quellenangabe
abgedruckt werden.
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LWI online unter: www.lutheranworld.org/News/Welcome.DE.html
LUTHERISCHE WELT-INFORMATION
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